Alfred Kubin


Die 7 Todsünden 
Tradition und Moderne

Mit Beiträgen von Julia Hecht, Holger Jacob-Friesen, Christoph Kürzeder,
Ludwig Mödl, Brigitte Salmen, Gosbert Schüßler, Sandra Uhrig
bearb. von Brigitte Salmen
Murnau am Staffelsee 2007
173 Seiten, 30 SW-Abb., 165 Farb-Abb.
Sonderpreis
Preis: 13,00 € zzgl. Versand
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ISBN: 978-3-932276-26-2
Der Maler und Illustrator Alfred Kubin, der auch Mitglied des "Blauen Reiter" war, setzte sich 
intensiv mit menschlichen Eigenschaften auseinander. Dazu gehörten die als "Todsünden" gebrandmarkten Hauptlaster - Hochmut, Geiz, Völlerei, Zorn, Wollust, Neid, Trägheit. Kubin kam in der Zeit des Umbruchs zur Moderne zu einer neuen Bildsprache von aufsehenerregender Dramatik und Gedankentiefe. Gleichwohl knüpfte er an eine lange, in die Antike zurückreichende Tradition an.

Vor allem auf der Grundlage des spätantiken Werkes "Psychomachia" mit der Beschreibung 
des Kampfes um die menschliche Seele hatten sich seit dem Mittelalter auf theologischer Grundlage Bildtraditionen entwickelt, die bis weit in das 18. Jahrhundert hineinreichen.

Darin wurden die menschlichen Laster in vielfältiger Form mit anschaulichen, teils drastischen Ausdrucksweisen aufgezeigt, um im Gegensatz dazu die Tugenden als erstrebenswertes Ziel und unabdingbaren Weg zur "ewigen Seligkeit", d. h. zu Gott, vor Augen zu führen. All diese Bilder, aber auch Texte und Predigten, sollten zur Selbsterkenntnis führen und moralische Umkehr bewirken. 
Cesare Ripas epochales Handbuch allegorischer Figuren, "Iconologia" betitelt, trug wesentlich zur Vereinheitlichung der Bildsprache auch für die Tugenden und Laster bei. Von Rom aus, wo das Buch 1593 erstmals erschienen war, trat es einen Siegeszug durch ganz Europa und darüber hinaus an. 
Bis ins 19. Jahrhundert blieb es eine wichtige Inspirationsquelle zahlloser Künstler.

Als die ikonographisch überlieferten Darstellungsweisen für Themen dieser Art während des 
19. Jahrhunderts aufgegeben wurden, trat bezeichnenderweise das Sündhafte unter dem Aspekt 
des Sexuellen für Vorläufer bzw. Zeitgenossen Kubins - Toulouse-Lautrec, Franz von Stuck, 
Edvard Munch u. a. - in den Vordergrund. Mit anderen Intentionen setzten sich danach auch Künstler wie Marc Chagall und Paul Klee oder auch Bert Brecht in "Die 7 Todsünden der Kleinbürger" mit diesen fundamentalen Fragen der Ethik auseinander.

Ausgehend von Werken Alfred Kubins spürt die Ausstellung dieser jahrhundertealten Bildtradition 
nach und gibt mit Handschriften, Graphiken, Gemälden und Skulpturen einen Einblick in diesen thematischen Bereich. Die Konfrontation mit bildlichen Beispielen aus unserem heutigen, alltäglichen Umfeld ist geeignet, 
sich eigenes widersprüchliches und das menschliche Zusammenleben erschwerendes Verhalten bewußt zu machen.

 

Die Ausstellung wird unterstützt aus Mitteln des Bayerischen Kulturfonds, München, und der Ernst von Siemens Kunststiftung, München

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