Alfred Kubin, Der Krieg, 1907, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
© Eberhard Spangenberg, München / VG Bild Kunst, Bonn 2020

Schattenzeiten.
Künstler zwischen
Anpassung und
Widerstand.

7. Mai bis 6. September 2020

2016 gab die Gemeinde Murnau der Historikerin Edith Raim den Auftrag, die politische und gesellschaftliche Geschichte Murnaus zwischen 1919 und den 1950er- Jahren zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Studie werden vom 2. April an in der Sonderausstellung „Es kommen kalte Zeiten“ im Schloßmuseum Murnau präsentiert. Große Teile dieser Studie wie der Ausstellung widmen sich der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, deren Geschehnisse durch den Schriftsteller Ödön von Horváth auch Eingang in die Weltliteratur gefunden haben.

Dies nimmt das Schloßmuseum zum Anlass, sich parallel in seiner Frühjahrsausstellung mit künstlerischen Positionen zwischen Anpassung und Widerstand auseinanderzusetzen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Künstlern, deren Werke das Schloßmuseum in seinen Sammlungen bewahrt oder die in Form von Dauerleihgaben dem Museum zur Erforschung und Sammlungsverdichtung übergeben wurden.

Mit Dystopien von Francisco de Goya, Alfred Kubin, Max Klinger und Franz von Stuck führt die Ausstellung hin zu Gemälden und Grafiken von Franz Marc, Paul Klee, Käthe Kollwitz, Otto Dix, Carl Rabus, Cuno Fischer, John Heartfield, Max Beckmann, Gabriele Münter u. a. Die Zeitspanne reicht von der Revolution und Räterepublik 1918/1919 über zwei Weltkriege und Wirtschaftskrisen bis hin zu einem geteilten Deutschland. Lebenssituationen und Handlungsweisen des 20. Jahrhunderts stehen dabei unmittelbar zeitgenössischen Positionen gegenüber. So regen die Arbeiten von Rita de Muynck, Hans Lang und Hans Angerer den Besucher nicht zuletzt dazu an, das eigene politische, gesellschaftliche und moralische Verantwortungsbewusstsein zu schärfen.

Wie gingen und gehen Künstler mit Unterdrückung, Repression und Zensur um?
Wie mit der Zäsur, die Krieg und Verfolgung in Biografie und Schaffen hinterließen?
Welche Sprache, welche Metaphern und welche Ausdrucksmittel fanden sie, um subtil oder in aller Deutlichkeit Einfluss zu nehmen? Und wie erfolgreich waren sie darin?

„So werden täglich sicher mehr als tausend Menschen ermordet und wieder tausende deutscher Männer werden an den Mord gewöhnt. Und das alles ist noch ein Kinderspiel gegen das, was in Polen und Rußland geschieht. Darf ich denn das erfahren und trotzdem in meiner geheizten Wohnung am Tisch sitzen und Tee trinken? Mache ich mich dadurch nicht mitschuldig?"
Helmuth James Graf von Moltke, 21. Oktober 1941
Carl Rabus, Frauenbildnis, 1939, Öl auf Leinwand, Schloßmuseum Murnau,
© Carl Rabus Nachlass, Murnau / Brüssel
Käthe Kollwitz, „Nie wieder Krieg”, von 1923/1924, Kohle auf graublauem Ingres-Papier, Staatsgalerie Stuttgart
Foto: © bpk / Staatsgalerie Stuttgart
Rita de Muynck, Ach ja, 2014, Acryl auf Leinwand
Foto: Harald Rumpf, © Rita de Muynck 2020
© Schlossmuseum Murnau