Vorschau

Paul Klee, Waldvogel, 1920,81, Privatsammlung

PUNKT, LINIE, FLÄCHE.
DIE KINDERZEICHNUNG UND DER EXPRESSIONISMUS

Eine Ausstellung im Schloßmuseum Murnau
vom 29. Juli bis 7. November 2021

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen zahlreiche Publikationen über die Kreativität von Kindern. Bereits seit den 1880er Jahren hatte sich Alfred Lichtwark, damaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle, mit dem Kunstunterricht in Schulen auseinandergesetzt. Er zeigte 1898 die Ausstellung „Das Kind als Künstler“.

Die vermehrte Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung des Kindes erregte auch die Aufmerksamkeit in Künstlerkreisen. Kandinsky war einer der ersten Künstler, der erfasste, welche Bedeutung die Adaption von Wesen und Wirkung der Kinderzeichnung für die Kunstentwicklung haben könnte, was er u. a. in seinem Beitrag „Über die Formfrage“ im Almanach „Der Blaue Reiter“ formulierte. Zusammen mit Gabriele Münter besaß er ein Konvolut von über 200 Kinderzeichnungen.

Das kindliche Universum, die Parallelität von Phantasiewelt und Realität, die Spontaneität und nicht zuletzt die Unbeschwertheit im Umgang mit Größenverhältnissen, Gesetzen der Schwerkraft und das hohe Abstraktionsvermögen gaben der Malerei damals wie heute Impulse.

Unsere hektische, multitasking-strapazierte Zeit ist wie keine andere zuvor geprägt von dem Wunsch nach Authentizität, Unmittelbarkeit und klaren Ausdrucksmitteln. Genau der Zeitpunkt, um sich erneut mit den Ursprüngen künstlerischen Schaffens, der Wirkung elementarer Ausdrucksmittel und der Rezeption durch die Künstler auseinanderzusetzen. Mit Werken u. a. von Wassily Kandisky, Gabriele Münter, Lyonel Feininger und Paul Klee führt die Schau über Constant, Jean Dubuffet, Asger Jorn und Karel Appel bis hin zu späteren Positionen von Lothar Fischer und Arnulf Rainer.

Im Rahmen der Museumskooperation der 
MuSeenLandschaft Expressionismus
 haben sich die fünf daran beteiligten Museen im bayerischen Oberland mit dem Schwerpunkt auf den Deutschen Expressionismus erstmalig mit dem Projekt
AVANTGARDE IN FARBE. Blauer Reiter / Brücke / Expressionismus
zu einer aufeinander abgestimmten, hochkarätigen Ausstellungsreihe zum Thema Blauer Reiter, Brücke und Expressionismus zusammengeschlossen.

Wassily Kandinsky, Die Nacht (Spazierende Dame), 1903, Gouache und weiße Kreide auf braunem Karton
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter-Stiftung 1957, Inv. Nr. GMS 583
Lyonel Feininger, Blaue Brücke, 1920, Tusche und Aquarell auf Vergé,
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Gabriele Münter, Krokodiljagd, 1916, Aquarellfarbe auf Büttenpapier, auf Pappe geklebt,
Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Paul Klee, Figurine des bunten Teufels, 1927, 166, Tempera auf Papier auf Karton,
Franz Marc Museum, Kochel am See, Dauerleihgabe aus Privatbesitz © Foto: collecto
Karel Appel, Small Cat, 1951
Mischtechnik auf Papier, Privatsammlung
© K. Appel Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Lothar Fischer, Straßenkreuzer (mit Insassen), 1966

Ton bemalt, Museum Lothar Fischer, Neumarkt i. d. OPf.

© Foto: Andreas Pauly
© Schlossmuseum Murnau