Seit 2013 ist Gaby Terhuven mit einer dreiteiligen Arbeit im Schloßmuseum Murnau vertreten. Eine großzügige private Förderung anlässlich der Neupräsentation des Hinterglaskunstraums hatte es dem Museum möglich gemacht, das Werk zu erwerben. Dabei entstand der erste Kontakt zwischen der Künstlerin und der Museumsleitung und im gemeinsamen Austausch wenig später der Wunsch, eine Ausstellung in Murnau zu zeigen, an dem Ort, der seit dem 18. Jahrhundert eng mit der Malerei auf Glas verbunden ist.
Gaby Terhuvens Triptychon "G6/09" von 2009 war lange Zeit das aktuellste Werk der Dauerausstellung, die mit der traditionellen Hinterglasmalerei zwischen Staffelseegebiet und Augsburg einsetzt, ihre Rezeption durch die Künstler der Klassischen Moderne mit Werken u. a. von Gabriele Münter, Franz Marc, August Macke und Paul Klee darstellt und mit Arbeiten nach 1945 neue Techniken sowie zeitgenössische Tendenzen bis hin zu Gerhard Richter zeigt.

"Meine Bilder sind einerseits klar konstruiert und andererseits doch nicht fassbare Gehäuse, deren Linien in der Betrachtung anfangen zu vibrieren und deren Abgrenzungen sich auflösen. Sie fordern auf zum Reflektieren über das Sehen an sich. Das Erzeugen einer besonderen Atmosphäre des Nichtbeschreibbaren, Fragilen, Veränderlichen, des Nicht-Festhalten-Könnens interessiert mich (...) Die Flüchtigkeit der Wahrnehmung ist Thema", so Gaby Terhuven im Vorfeld der Ausstellung.

Das Spiel mit dem Licht ist seit Anbeginn Hauptthema der Hinterglasmalerei, die einerseits durch die Verwendung unregelmäßiger, noch nicht industriell hergestellter Glasscheiben und andererseits durch die gewählte Maltechnik – etwa Spiegelbilder, sogenannte Nonnenspiegel, Gold- und Silberradierungen, aber auch Mehrschichtenbilder – bestimmt wird. Als Mehrschichtenbilder im weitesten Sinn können auch die Arbeiten von Gaby Terhuven bezeichnet werden. Zwei von beiden Seiten mit Ölfarbe bemalte Glasscheiben sind mit kurzem Abstand so hintereinandergesetzt, dass ein dreidimensionaler Eindruck entsteht.
Der von der Künstlerin gewählte Titel "Lichtungen" für die in Murnau präsentierten Werke ist eine poetische und gleichzeitig äußerst treffende Analogie. Umgeben von den zum Teil mehrteiligen Arbeiten, die imstande scheinen, sich um ihre eigene Achse zu drehen, steht der Betrachter gleichsam wie auf einer Lichtung vor den Bildern. Die rhythmisiert nebenei-nandergesetzten vertikalen Farblinien vermitteln – wenn man den Vergleich zum Gegen-ständlichen suchen möchte – mitunter den Eindruck von dicht nebeneinanderstehenden Baumstämmen, durch die das Licht bricht. Die durch horizontale Linien bestimmten Bilder erinnern dagegen an Spiegelungen und Lichtreflexe auf bewegten Wasseroberflächen. Dass diese Lesart durchaus gewünscht ist, bestätigen zwei Fotografien im Ausstellungskatalog, die Gaby Terhuven ausgewählt hat.
Zum Motiv "Lichtungen" hat die Künstlerin neben den Glasbildern eine Serie von Bleistiftzeichnungen entwickelt, die sich als Band über zwei Raumecken hinweg auf eine Horizontlinie beziehen. Auch Skizzenbücher gewähren Einblick in Zeichnungen, die allein durch die Modulation von dichten und lockeren Bleistiftsschraffuren Licht, Dunkelheit und, beide zusammen, vor allem Bewegung erzeugen. Wie bei den Glasbildern hat auch hier der Betrach-ter den Eindruck, Beobachter ephemerer Lichtphänomene zu sein.
Das Schloßmuseum Murnau, dessen Museumskonzept aus der Kunst- und Kulturgeschichte entwickelt wurde, die in Murnau und Umgebung stattfand, nimmt mit dieser Ausstellung erneut die Möglichkeit wahr, zeitgenössische Tendenzen im direkten Kontext seiner Sammlungsschwerpunkte zu präsentieren.