Der Architekt und die Künstlerin

Hugo Wach und Wanda Zeigner-Ebel

Zu dieser Sonderausstellung ist kein Katalog erschienen
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Preis: vergriffen
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Ein Architekt, der in kürzester Zeit ein ganzes Fabrikgelände samt Werksiedlung entwirft,
in Murnau ein Haus entdeckt und es fast 15 Jahre lang mit Phantasie und Erinnerungen an seine Reisen umbaut. Eine Künstlerin, deren Illustrationen heute auf Facebook und Pinterest zu finden sind, die als hochbegabt galt und in der Psychatrie beinahe zugrunde ging.

Beide, verflochten durch ihre Lebenslinien, sind nun Protagonisten der Winterausstellung im Schloßmuseum Murnau.

Der in Tübingen geborene Hugo Wach (1872-1939), Enkel von Felix Mendelssohn-Bartholdy, studierte nach dem Abitur in Leipzig zunächst Elektrotechnik an der Technischen Hochschule München. Danach war er für Siemens & Halske und als Assistent für Oskar von Miller tätig. Der Anschluss eines Architekturstudiums erfolgte von 1904 bis 1907, ebenfalls in München. Wach arbeitete anschließend in London, dann bei den Architekten Lossow & Kühne (Bahnhof Leipzig). Sein wichtigstes Projekt ab 1909 war der Bau der Agfa-Filmfabrik in Wolfen mit eigener Werksiedlung. 1920 übernahm Wach die Professur für Architektur, Freihand- und Ornamentzeichnen an der Technischen Hochschule zu Berlin, die er 1936 beenden musste. Sein über ein Zeitungsinserat entdecktes und 1921 erworbenes Atelierhaus in Murnau baute er bis 1935 um und verwirklichte sich hier nicht nur den Traum eines Krocketplatzes, sondern schuf ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.

Die aus Hamburg stammende Kinderbuchillustratorin und Kunsthandwerkerin Wanda Zeigner-Ebel (1894–1970), erhielt ihre Ausbildung an der dortigen Gewerbeschule für Mädchen. Mit Hilfe eines Stipendiums besuchte sie von 1912 bis 1916 die Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Um 1920 schuf sie für die Märchen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen kongeniale Illustrationen, die ihr außergewöhnliches Talent deutlich machen und uns noch heute verzaubern.

Eine Zusammenarbeit mit Hugo Wach lässt sich für seine Villen-Umbauten in Radebeul und Potsdam belegen. Schicksalhaft ist ihr weiterer Weg nach einem Zusammenbruch durch den Tod ihres Mannes 1916, der sie psychisch erkranken ließ. Erst 1936, nach dem Umzug in das Marienheim Leipzig, fand sie soweit Ruhe, dass sie ihre künstlerische Arbeit wieder aufnahm.

Mit dem ehemaligen Wohnhaus von Hugo Wach in Murnau als Ausgangspunkt, widmet sich die Ausstellung den Lebenslinien zweier Menschen, die das Zeitgeschehen in Vergessenheit geraten ließ, deren künstlerische Leistung in ihrer Qualität und Frische aber heute noch als herausragend gelten können.
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