Väter & Söhne. Konfrontation und Gleichklang

Marc, Kanoldt, Jawlensky, Feininger, Geiger

Mit Textbeiträgen von Björn Egging, Julia Geiger, Karin Hellwig, Angelica Jawlensky Bianconi und Brigitte Roßbeck
Schloßmuseum des Marktes Murnau 2016
Murnau am Staffelsee (Hrsg.)
Preis: 28,00 € zzgl. Versand
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ISBN: 978-3-932276-51-4
Das Schloßmuseum Murnau widmet sich mit seiner Sommerausstellung einer ganz besonderen Konstellation: den Vater & Sohn-Paaren unter den Künstlern. Im Mittelpunkt stehen die Maler Wilhelm und Franz Marc, Edmund und Alexander Kanoldt, Alexej und Andreas Jawlensky, Lyonel, Andreas und T. Lux Feininger sowie Willi, Rupprecht, Lenz und Florian Geiger.

Die Bilder des Vaters Lyonel Feininger (1871–1956) begleiten Andreas (1906–1999) und T. Lux (1910–2011) ein Leben lang. Sie überlagern sich mit ihren Arbeiten, die mitunter zu einer Hommage an den Vater werden. Ein Gleichklang, der in ähnlicher Weise auch die Beziehung von Vater Alexej (1864–1941) und Sohn Andreas Jawlensky (1902–1984) prägt. Stolz berichtet Alexej Jawlensky am 18. Februar 1924 dem Braunschweiger Sammler Otto Ralfs von einer Ausstellung seines Sohnes in Wiesbaden. Andreas, dessen Kindheit zwischen Künstlern, Literaten, Sammlern und Mäzenen stattfand, ist zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt.

Auch Franz Marc (1880–1916) wuchs in künstlerisch geprägtem Umfeld und mit den Werken seines Vaters Wilhelm (1839–1907) auf, und so verwundert seine Entscheidung nicht, ebenfalls Künstler zu werden. Wilhelm Marc war jedoch von dem Wunsch seines Sohnes wenig angetan. Er hielt ihn für zu wenig talentiert.

Mitunter ist das Vater-Sohn-Verhältnis problematisch. Thomas Mann und sein Sohn Klaus, als auch Hermann Kafka und sein Sohn Franz hatten schwerwiegende Differenzen. Kafkas 103 Seiten langer „Brief an den Vater“ ist 1919 eine schonungslose Abrechnung. Das Verfassen des Briefes, den Kafka nie abschickte und der heute zu den wichtigsten Texten der literarischen Moderne zählt, bedeutete für ihn die Aufarbeitung seines Vaterverhältnisses.

Im Fall von Edmund (1845–1904) und Alexander Kanoldt (1881–1939), die sich in ihrem künstlerischen Schaffen ganz unterschiedlich orientiert haben, ist der Sohn der weitaus Berühmtere der beiden. Zeigt sich der Vater mit heroischen Landschaften und mythologischer Staffage als einer der letzten Deutschrömer rückwärtsgewandt, wagt der Sohn den Bruch mit der Tradition und macht sich als Vertreter der Neuen Sachlichkeit einen Namen. Trotz seines entgegen gesetzten Weges lassen sich im Oeuvre Alexander Kanoldts eine ganze Reihe von Spuren nachverfolgen, die unmittelbar zu denen des Vaters führen."

Manchmal lässt sich auch eine umgekehrte Einflussnahme beobachten und sich der Vater vom Sohn inspirieren. So griff Willi Geiger (1878–1971) mehrmals zu den Tagesleuchtpigmenten seines Sohnes Rupprecht (1908–2009), um damit eine Ausdruckssteigerung seiner Arbeiten zu erzielen. Den künstlerischen Prozess führen die Enkel und Söhne Lenz (*1938) und Florian Geiger (*1940) fort.
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