Der intime Blick

Bilder von Stille und Nähe

Mit Textbeiträgen von Stefan Bollmann, Karin Hellwig, Christine Ickerott-Bilgic und Sandra Uhrig. 127 Seiten, 180 Farb.-Abb., 9 SW-Abb.
Schloßmuseum des Marktes Murnau 2014
Murnau am Staffelsee (Hrsg.), bearb. von Sandra Uhrig
Preis: 25,00 € zzgl. Versand
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ISBN: 9783932276453
Was unterscheidet den Blick auf ein Stillleben oder eine Landschaft von dem Blick
auf ein Portrait oder in ein Interieur? Ist es der Künstler, der dem Motiv
einen vertraulichen Ton gibt oder entsteht das Vertrauliche in der Wahrnehmung des Betrachters?

Der französische Journalist und Kunstkritiker Gustave Geffroy gebrauchte
den Begriff „Intimismus“ das erste Mal 1893 in Bezug auf die Interieurs des Malers Édouard Vuillard (1868–1940). 1905 griff der Schriftsteller André Gide diese Bezeichnung auf und charakterisierte damit nicht nur die Vorliebe Vuillards, den Blick über ungewöhnliche Formate und angeschnittene Kompositionen in Wohnräume zu lenken, sondern dehnte den Begriff auch auf dessen gedämpfte Farbpalette aus.
Auch die dänischen Künstler Peter Ilsted (1861–1933), Carl Vilhelm Holsøe (1863–1935) und Vilhelm Hammershøi (1864–1916) schufen in dieser Zeit Interieurs voller Stille und Melancholie. Während das Erzählerische in ihren oftmals puristischen Interieurs in den Hintergrund tritt, stehen auch bei Ihnen die malerisch-sinnliche Qualität und eine subtile Lichtführung im Vordergrund.

Ausgewählte Werke aus umfangreichen Sammlungen ermöglichen es, dem vom Maler gelenkten Blick in verschiedenen Deutungsebenen nachzugehen. Die Ausstellung beginnt mit Arbeiten der Dänen Carl Vilhelm Holsøe und Peter Ilsted und ihrer Zeitgenossen aus dem frühen 20. Jahrhundert und führt über Zeichnungen und Radierungen der Expressionisten Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann zu Werken von David Hockney, Tony Scherman und Leif Trenkler bis ins 21. Jahrhundert. Dabei wird auch dem Blick des Künstlers auf seine Modelle nachgegangen und ein Schwerpunkt auf Portraits gelegt, die von einem auffallend vertraulichen Ton geprägt sind.
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