Die Maler des "Blauen Reiter" und Japan

"... diese zärtlichen, geistvollen Phantasien..." 


Mit Beiträgen von Claudia Delank, Bernd Fäthke, Andrea Hirner,
Setsuko Kuwabara, Brigitte Salmen, Elmar D. Schmid und Sandra Uhrig
Schloßmuseum Murnau, bearb. von Brigitte Salmen
Murnau am Staffelsee 2011
261 Seiten, 246 Farb.-Abb., 115 SW-Abb.
Preis: 25,00 € zzgl. Versand
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ISBN: 978-3-932276-3
Das Schloßmuseum Murnau behandelt in dieser Ausstellung den Einfluß japanischer Kunst auf den Künstlerkreis des "Blauen Reiter“, ein Thema, das hier erstmals genauer untersucht und präsentiert wird. Anlaß sind das 100jährige Jubiläum des Künstlerkreises "Der Blaue Reiter“ und die japanische Sammlung von Franz Marc, die das Schloßmuseum Murnau vor Jahren erwerben konnte.



Japanische Kunst wurde schon seit dem 17. Jahrhundert in Europa mit großem Interesse vor allem in adeligen Kreisen und an Fürstenhöfen wahrgenommen. Ihr Einfluß in der europäischen Kunst gewann jedoch erst ab 1860 von Paris ausgehend an Bedeutung, insbesondere im Schaffen der Pioniere des "Japonisme“, der Maler James McNeill Whistler, Edouard Manet und Edgar Degas sowie Claude Monet, Vincent van Gogh, Paul Gauguin und der Nabis-Künstler Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Maurice Denis, Felix Vallotton sowie Henri de Toulouse-Lautrec. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts breitete sich der Einfluß japanischer Kunst auch in Deutschland mit München als südlichem Schwerpunkt aus und fand seinen Niederschlag in Malerei, Graphik und Kunstgewerbe. Er erfolgte vor allem über die Farbholzschnitte ("ukiyo-e“, Bilder der fließend vergänglichen Welt), insbesondere von Kitagawa Utamaro, Katsushika Hokusai und Andō Hiroshige. Sie schufen eine große Zahl populärer Blätter mit  Frauen- und Landschaftsdarstellungen, Theater-, Teehaus- und Alltagsszenen des damaligen Edo (heute Tokyo).



Die Farbholzschnitte waren charakterisiert durch flächige und lineare Gestaltung. Angeschnittene Motive, diagonale Bildstrukturen, Vergitterung des Vordergrundes, kräftige Farbigkeit und das schmale Hochformat bestimmten ihre Kompositionen. Sie wirkten neuartig und anregend auf die europäischen Künstler, die aus den herkömmlichen akademischen Sehgewohnheiten ausbrechen und neue künstlerische Wege gehen wollten. Während die Impressionisten nach Wegen gesucht hatten, den Naturalismus und die Historienmalerei zu überwinden, nutzten die Expressionisten die Vereinfachung der künstlerischen Ausdrucksmittel auch nach japanischen Vorbildern, um neue geistige Inhalte zu vermitteln und unmittelbar seelische Empfindungen anzusprechen. Für diese Maler, die von diesen Vorbildern nur das selektierten, was sie auf ihrem eigenen Weg weiterbrachte, bedeutete die Beschäftigung mit japanischer Kunst einen bedeutenden Schritt bei ihrer künstlerischen Suche nach einer veränderten visuellen Sprache. Diesen erheblichen und vielfältigen Einfluß der japanischen Kunst und Ästhetik auf die Kunst Europas zwischen 1860 und 1920 möchte die Ausstellung im Schloßmuseum Murnau deutlich machen. Mit charakteristischen, herausragenden Exponaten werden die unterschiedlichen Wege der Künstler zu einer neuen Bildgestaltung nachgezeichnet, angefangen von Werken des klassischen Japonismus aus Frankreich bis zu den Werken der Künstler der "Neuen Künstlervereinigung München“, des "Blauen Reiter“ sowie der Künstler und Freunde des "Jungen Rheinlandes“. Dabei reichen die Einflüsse japanischer Vorbilder von direkten Entlehnungen bis hin zur Entwicklung grundlegend neuer Kompositionen. Viele europäische Künstler sammelten die leicht erschwinglichen Farbholzschnitte, illustrierten Bücher und Objekte aus Japan und ließen sich von ihnen inspirieren. Dies geschah seit Mitte der 1860er Jahre und verstärkt seit den 1880er Jahren auch in München. Es fanden Ausstellungen japanischer Kunst statt (z. B. 1885 eine große Ausstellung im Glaspalast). 


Es erschienen einflußreiche Veröffentlichungen und es wirkten japanische Gestaltungsformen prägend auf die Bewegung des Münchner Jugendstils.


Auch die Maler der "Neuen Künstlervereinigung München“ und des "Blauen Reiter“, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej Jawlensky, Marianne von Werefkin, Franz Marc, August Macke und andere, beschäftigten sich vor dem ersten Weltkrieg mit japanischer Kunst.

 

Die Ausstellung wurde gefördert vom 

Bayerischen Kulturfonds und der Ernst von Siemens Kunststiftung, München

 Anerkannte Veranstaltung 150 Jahre Deutschland-Japan 2011

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