Antlitz und Gestalt

Facetten einer Privatsammlung

Zu Beginn dieses Jahres erhielt das Schloßmuseum Murnau eine großzügige und umfangreiche Dauerleihgabe:



Gemälde, Graphiken, Fotografien und Skulpturen aus einer bedeutenden Privatsammlung wurden dem Museum für 10 Jahre übergeben. Es handelt sich um eine über Jahrzehnte gewachsene Sammlung herausragender Arbeiten renommierter Künstler wie Karel Appel, Georg Baselitz, Willi Baumeister, Max Beckmann, Otto Dix, Jean Dubuffet, Günther Förg, David Hockney, Jörg Immendorff, Horst Janssen, Asger Jorn, Ernst Ludwig Kirchner, Per Kirkeby, Gustav Klimt, Imi Knoebel, Markus Lüpertz, Ernst Wilhelm Nay, Max Pechstein, A. R. Penck, Pablo Picasso, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Andy Warhol und andere. Aus dieser zeitlich wie motivisch breit gefächerten Sammlung werden zukünftig in periodischen Abständen immer wieder Arbeiten im Schloßmuseum Murnau präsentiert. Den Anfang macht eine Auswahl von Werken, die sich mit dem Menschen, seinem Antlitz und seiner Gestalt auf unterschiedlichste Weise auseinandersetzen. 


Der Mensch und sein Angesicht sind seit jeher klassische künstlerische Motive. Die Faszination am Gegenüber, am wortlosen Austausch oder gar an der voyeuristischen Betrachtung prägt das Bild wie auch seinen Betrachter. Die Identität der Dargestellten bleibt oftmals im Unklaren. Zahlreiche, uns heute Unbekannte, standen den Künstlern Modell für Studien der menschlichen Gestalt, viele Portraitierte sind namentlich nicht überliefert und nur wenige wie "Suzanne“ (1927) von Marie Laurencin, "Yda“ (1969) von Werner Tübke  oder "Celia Smoking“ (1973) von David Hockney sind ausdrücklich benannt.



Vom weitgehend klassisch aufgefaßten, realistisch oder idealisiert dargestellten Portrait und Selbstportrait wie bei Max Beckmann, Christian Schad, Francis Picabia, Horst Janssen oder Andy Warhol, zur subtilen Reduzierung und plakativen Übersteigerung wie bei David Hockney und Sigmar Polke bis zur schrittweisen Abstrahierung und rauschhaften Verfremdung der menschlichen Gestalt wie bei Georg Baselitz und Arnulf Rainer können die verschiedenen künstlerischen Ansätze über zeittypische Veränderungen hinweg betrachtet werden. Eindringliche Portraits wie figürlich bestechende Darstellungen, manchmal nur auf wenige Linien und Schraffuren beschränkt, die Gesichtszüge und Körperlichkeit oftmals bis zur Schematisierung aufgelöst, überraschen in ihrer Charakterisierung des Wesentlichen wie zum Beispiel eine "Sich streckende Eva“ (1986) von Arnulf Rainer.  

"In Wirklichkeit spiegelt die Kunst den Betrachter und nicht das Leben “Oscar Wilde, Vorrede zu "Das Bildnis des Dorian Gray“ (1891)

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