Max Beckmann

Apokalypse.
Visionen der Endzeit in Überlieferung und Moderne

Mit Beiträgen von Régine Bonnefoit, Mark R. Hesslinger, Barbara Ostermaier
Petra Roettig, Gosbert Schüßler und Andreas Strobl
Schloßmuseum Murnau, bearb. von Brigitte Salmen
Murnau am Staffelsee 2010
184 Seiten, 160 Farb.-Abb., 68 SW-Abb.
Sonderpreis
Preis: 15,00 € zzgl. Versand
Katalog bestellen
ISBN: 978-3-932276-37-8
Im Juli 1937 war Max Beckmann vor dem Nationalsozialismus nach Amsterdam geflüchtet. Dort schuf er 1941/42 – trotz eines über ihn verhängten Arbeitsverbotes – einen Zyklus von 27 Lithographien zur Offenbarung des Johannes mit dem Titel "Apokalypse“. Dieser unter prekären Bedingungen entstandene Zyklus ist von den leidvollen Erfahrungen nationalsozialistischer Schreckensherrschaft und des von ihr entfesselten Weltkriegs veranlaßt und geprägt. Gleichwohl gelang es dem Künstler ein zeitloses, allgemeingültiges Manifest der Hoffnung und des Überlebenswillens zu schaffen; denn die Prophezeiungen der Apokalypse erschöpfen sich nicht in den quälenden Visionen endzeitlicher Katastrophen und Untergangsszenarien, sondern verheißen nach all den unheimlichen Bedrängnissen einen endgültigen Sieg über die Mächte des Bösen. Diese trostspendenden Erwartungen der "Apokalypse des Johannes“ kulminieren in der Schau einer von göttlichem Frieden erfüllten Stadt, dem Himmlischen Jerusalem.



Der sprachgewaltige Text der "Apokalypse des Johannes", selbst überreich an Symbolen und bildhaften Inszenierungen, hat die Kunst seit der Spätantike, nicht nur in politisch und kirchengeschichtlich brisanten Zeiten, immer wieder zu Einzeldarstellungen oder Zyklen angeregt. Max Beckmanns eigenwillige Bildfolge, die im Mittelpunkt der Ausstellung steht, ist Teil dieser langen schöpferischen Auseinandersetzung. Um dies zu veranschaulichen und um Beckmanns eigene künstlerische Leistung deutlicher zutage treten zu lassen, werden seine Lithographien anderen von der "Apokalypse des Johannes" inspirierten Werken gegenübergestellt, die den zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert spannen.



Neben Blockbuch-Darstellungen und der Koberger Bibel aus dem 15. Jahrhundert werden Dürers berühmte Holzschnittfolge und Lucas Cranachs von antipäpstlicher Polemik durchsetzte Illustrationen zu Luthers "Das Neue Testament deutsch“ (September 1522) gezeigt, aber auch die von drangvoller Michelangelesker Körperlichkeit überquellenden Kupferstiche (1555) eines Jean Duvet. Werke von Luigi Sabatelli, Peter Cornelius bis hin zu Odilon Redon bezeugen die ungebrochene Faszination der "Apokalypse des Johannes“ im 19. Jahrhundert. Für die intensive Auseinandersetzung mit der "Offenbarung des Johannes“ in der Kunst des 20. Jh. stehen schließlich Namen von Künstlern wie Lovis Corinth, Wassily Kandinsky, Giorgio de Chirico, Oskar Kokoschka, Karl Rössing und anderen.



Die Ausstellung wurde gefördert aus Mitteln des Bayerischen Kulturfonds, München, und der Hypo-Kulturstiftung, München.  

zurück