1908/2008
Vor 100 Jahren.

Kandinsky, Münter, Jawlensky, Werefkin in Murnau

Mit Beiträgen von Bernd Fäthke, Annegret Hoberg und Brigitte Salmen
Schloßmuseum des Marktes Murnau, bearb. von Brigitte Salmen
Murnau am Staffelsee 2008
163 Seiten, 181 Farb.-Abb., 26 SW-Abb.
Preis: vergriffen
ISBN: 978-3-932276-29-3
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in Deutschland eine neue expressive Malerei, die jahrhundertelange europäische Kunsttraditionen entscheidend veränderte.Dieser Umbruch war eng mit neuem künstlerischem Geschehen in Murnau verbunden. Anfang August 1908 kamen Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin aus München zu einem Malaufenthalt nach Murnau.



In dieser großflächigen, im Süden von der Alpensilhouette gerahmten Landschaft mit ihren klaren Farben, dem intensiven Licht und dem reizvollen Ort entstanden zahlreiche Landschaftsbilder und Ortsansichten, die nicht mehr dem Vorbild der Natur, sondern dem subjektiven Eindruck folgten und das "Fühlen eines Inhaltes" erfaßten, wie Gabriele Münter es später beschrieb.



Charakteristisch für diesen neuen Malstil Kandinskys, Münters und Jawlenskys wurde eine auf die Grundformen reduzierte, flächige Darstellungsweise, die auf alles Nebensächliche verzichtete und mit leuchtenden, ungemischten, kontrastreich gesetzten Farben eine Intensität und Steigerung des bildlichen Ausdrucks bewirkte. Damit wurde eine von französischen Künstlern wie van Gogh, den Malern von Pont-Aven (Gauguin, Bernard, Sérusier, Amiet und anderen) und den Nabis (Bonnard, Denis, Vuillard, Valloton und Verkade) angeregte Bildauffassung, mit deren Gestaltung Marianne von Werefkin bereits im Jahr zuvor in zahlreichen Skizzen und Gemälden begonnen hatte, weiterentwickelt.



Dunkle Umrisslinien gaben besonders den Bildern Jawlenskys und Münters in großen Zügen das gestalterische Gerüst. Hierzu trug die am Staffelsee heimische volkstümliche Hinterglasmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts bei, die mit der farbintensiven, dunkel konturierten, auf flächig gemalte Hauptformen reduzierten Bildgestaltung Münters und Kandinskys Vorstellungen von Ursprünglichkeit und unmittelbarer Bildsprache entgegenkam.



In und von Murnau und seiner reizvollen, abwechslungsreichen Umgebung entstanden 1908 und in der Folgezeit viele dieser ausdrucksstarken, für den deutschen Expressionismus charakteristischen und wegweisenden Werke, von denen sich heute viele in bedeutenden Sammlungen der ganzen Welt befinden und die erstmalig für die Sonderausstellung wieder zusammengeführt werden konnten.Auf den Einfluß französischer Künstler, der dieser Phase voranging, wird mit ausgewählten Arbeiten, u. a. von Vuillard, Denis und van Gogh, aufmerksam gemacht.



Kandinsky setzte seinen begonnenen konsequenten Weg zu gegenstandsfreier Kunst zum Teil auch in Murnau fort und verbrachte hier 1911/12 mit Franz Marc, Gabriele Münter und August Macke wichtige Arbeitsphasen zur Vorbereitung des Almanachs "Der Blaue Reiter".

zurück