BAUHAUS-IDEEN


um Itten, Feininger, Klee, Kandinsky.
Vom Expressiven zum Konstruktiven.

Mit Beiträgen von Magdalena Droste und Ute Ackermann
bearb. von Brigitte Salmen
Murnau am Staffelsee 2007
142 Seiten, 39 SW-Abb., 134 Farb-Abb.
Preis: vergriffen
ISBN: 978-3-932276-24-8
Das Bauhaus war die wichtigste und zugleich umstrittenste Kunstschule der Weimarer Republik. Walter Gropius gründete sie 1919 in Weimar und führte sie bis 1928. Das Bauhaus war nicht zuletzt durch seine Maler berühmt, die bald zur künstlerischen Avantgarde der Weimarer Republik zählten. Die hier entworfene Architektur und die exemplarisch realisierten Designobjekte waren so ungewöhnlich, daß sie fast immer Gegenstand von Kontroversen und Angriffen wurden. 
Am Bauhaus lehrten Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, László Moholy-Nagy und andere. In den Weimarer Jahren (1919 - 1925) vollzog sich ein tiefgreifender Wandel von einer anfangs handwerklichen Ausrichtung zu einer mehr technischen, die im Wechsel der von Walter Gropius formulierten Leitmotive faßbar wird. 1919 forderte er "Zurück zum Handwerk" und 1923 "Kunst und Technik eine neue Einheit". Stilistisch vollzogen fast alle Bauhausmeister in diesen Jahren den Wechsel von einer eher expressionistisch orientierten Formensprache zu einem stärker konstruktiven Stil.



Diese bedeutsame erste Zeit des Bauhauses in Weimar, in der sich der Übergang und konsequente Weg zu konstruktiven Formen vollzog, soll in Werken einer Reihe von Künstlern in der Ausstellung des Schloßmuseums Murnau dargestellt werden.



Die Ausstellung beginnt mit der expressionistischen Gründungsphase, die ganz im Zeichen von Johannes Itten steht. Johannes Itten leitete den Vorkurs, dessen erfolgreiche Absolvierung für alle Schüler obligatorisch war, bevor sie endgültig aufgenommen wurden.



Gleichzeitig werden Ittens Vorkursarbeiten mit denen seines Nachfolgers und künstlerischen Opponenten Lazlo Moholy-Nagy konfrontiert, der mit den neuen konstruktivistischen Strömungen vertraut war. Die seltenen graphischen Mappenwerke von Johannes Itten, Wassily Kandinsky und die Bauhaus-Mappe 1923 geben einen Einblick in die stilistische Spannbreite der ersten drei Jahre.

Der wichtigste Anreger des Wandels zu einer unpersönlichen konstruktiven Kunstauffassung war der am Bauhaus bekämpfte und verehrte niederländische Maler Theo van Doesburg, einer der Mitbegründer der De Stijl-Bewegung.



1922 bildete sich am Bauhaus eine Anhängergruppe, die seiner horizontal-vertikalen Ästhetik folgte. Karl Peter Röhl, Peter Keler und Walter Dexel, die mit ihren Arbeiten in der Ausstellung vertreten sind, waren Mitglieder der de Stijl-Gruppe. 


Die Bauhaus-Postkarten für die erste Bauhaus-Ausstellung 1923, die Meister und Schüler schufen, zeigen die unterschiedlichen künstlerischen Handschriften zwischen Expressionismus und Konstruktivismus.



Das Ziel des Gestaltungsunterrichtes, den auch Klee und Kandinsky gaben, 
waren Architektur und Design. Aus der Produktion des Bauhauses sind beispielhafte Objekte wie Glasfenster, Teppiche, Keramikgefäße, Lampen und Stühle ausgewählt worden. Ihre klaren Formen gelten bis heute als Inbegriff funktionaler Gestaltung. Die langen Kontroversen um die richtige Gestaltung sind vergessen, Bauhaus und Funktionalismus verschmolzen schon für die Zeitgenossen des Bauhauses zu Synonymen.



Die Bauhausmeister, aber auch van Doesburg, beeinflußten zahlreiche Künstler, die zur ersten Generation der konstruktivistischen Maler in Deutschland zählten. Zu ihnen gehörten Maler wie Erich Buchholz, Max Burchartz, Robert Michel und Walter Dexel, von denen die Ausstellung repräsentative Werke zeigt.



Es gab auch Künstler, die sich der Polarisierung zwischen Expressionismus und Konstruktivismus entzogen: Zum ersten Mal kann das Gemälde des jüngsten Bauhausmeisters Georg Muche "Der Tisch" gezeigt werden, das seit Jahrzehnten als verschollen galt. Das sorgfältig gemalte Bild ist Muches Bekenntnis zu einem dritten Weg, der allein dem Individualismus verpflichtet blieb: er war weder Konstruktivist noch Expressionist.



Kandinskys künstlerische Anfänge sind eng mit seinem langjährigen Aufenthalt in Murnau verknüpft. Hier entwickelte er Ansätze seiner einflußreichen gegenstandsfreien Malerei und seiner Kunsttheorie, die er dann am Bauhaus in der künstlerischen Sprache des Konstruktivismus fortführen und als Pädagoge verbreiten sollte. So ist diese Ausstellung nicht zuletzt eine Hommage an einen der berühmtesten Einwohner Murnaus und dessen inspirierende Kraft.

Schwerpunkt der Ausstellung sind Werke, die HOCHTIEF im Rahmen eines Bauhaus-Engagements erworben hat, erweitert durch Leihgaben aus dem Bauhaus-Archiv Berlin, der Stiftung Bauhaus Dessau, den Kunstsammlungen Weimar und der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar.

Die Ausstellung wird vom 19. Juli bis 23. September 2007 im Meisterhaus Kandinsky-Klee in Dessau zu sehen sein.



Die Ausstellung wurde unterstützt von:

HOCHTIEF
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