"Art of Tomorrow"


Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim

Mit Beiträgen von Vivian Endicott Barnett, Jo-Anne Birnie-Danzker, Robert Rosenblum,
Roland von Rebay, Brigitte Salmen und Karole Vail
von Jo-Anne Birnie-Danzker, Brigitte Salmen und Karole Vail
Preis: vergriffen
ISBN: 978-3-932276-17-0
Hilla von Rebay begründete zusammen mit Solomon R. Guggenheim das 1959 eröffnete Guggenheim-Museum, New York. Sie war eine große Förderin gegenstandsloser Kunst und beriet Solomon R. Guggenheim bereits seit Ende der 1920er Jahre beim Aufbau seiner Sammlung abstrakter Kunst.



Rebay selbst arbeitete seit vielen Jahren als bedeutende Künstlerin in Deutschland, bevor sie 1927 nach New York übersiedelte. 1890 in Straßburg als Tochter eines preußischen Offiziers geboren, erhielt Hilla Rebay von Ehrenwiesen zwischen 1908 und 1912 in Paris und München eine fundierte akademische Malausbildung. Sie übte zunächst die Porträtmalerei aus und orientierte sich in München vor allem an den Malern der "Scholle" (Fritz Erler, Leo Putz und anderen) und der Sezession. 


Zeitweise lebte sie in London und in Köln, wo sie erstmals öffentlich ausstellte. 
Es folgten Ausstellungsbeteiligungen in Paris und München.Im Oktober 1913 ging sie nach Berlin und lernte Hans Richter und dort aktive avantgardistische Künstler- und Literatenkreise kennen. 


Richter, der sich von der Malerei der Futuristen anregen ließ und begann, abstrakt zu arbeiten, beeinflußte auch Rebay zu neuen Gestaltungsweisen und Techniken. 
Während ihrer Reise Ende 1915 in die Schweiz begegnete sie dem ebenfalls aus dem Elsaß stammenden Maler Hans Arp, mit dem sie bis zum Frühjahr 1917 eine, durch den Krieg bedingt, briefliche Liebesbeziehung einging. Arp ermutigte sie, an ihren neuen abstrahierten, zeichenhaft-linearen Holzschnitten und Radierungen weiterzuarbeiten. Durch Arp war Rebay auch eng mit dem im Februar 1916 von Hugo Ball gegründeten Züricher DADA-Kreis vertraut. 


Seit dem Winter 1916/17 schloß sich Rebay in Berlin dem Kreis um Herwarth Walden an und lernte den Maler Rudolf Bauer kennen, mit dem sie bald eine langjährige, persönlich wie künstlerisch folgenreiche Verbindung einging.



Gegenstandslose Gemälde, Aquarelle, Collagen


In Gemälden, Aquarellen und Graphiken entwickelte Rebay in den Jahren 1915-1917 eine eigene, völlig gegenstandsfreie Bildsprache. Zugleich griff sie zu einer neuen Bildtechnik, der Papiercollage. In diesen meist kleinformatigen Werken aus feinen farbigen Papierstreifen und -feldern wurde sie zunehmend freier und fand zu ganz eigenen, großartig verdichteten Gestaltungsformen, die bis 1920 immer geometrischer wurden.
In diesem neu orientierten Schaffen ließ sie sich von Bildkonzeptionen Kandinskys anregen, der in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg eine neue, gänzlich gegenstandsfreie Bildsprache artikuliert hatte. Den Grundsätzen Kandinskys folgend, sah auch sie nun nicht mehr eine intellektuelle Erfassung, sondern das Gefühl, das innere Erleben von Kunst als maßgebend an. Auch in der Verbindung von Malerei und Musik folgte sie Kandinsky, der im Sinne einer geistigen Erneuerung aller Bereiche der Kunst seit vielen Jahren die Synthese zwischen Malerei, Musik, Dichtung und Bühnenkunst gesucht hatte. Sie nannte nun ihre Bilder u.a. "Impressionen", "Improvisationen" und "Kompositionen".



Nach Ende des 1. Weltkriegs schloß sich Rebay dem Künstlerkreis "Novembergruppe" an. 
Im April 1919 zeigte sie in der Galerie "Sturm" neben Werken Hugo Händels, Wassily Kandinskys und William Wauers neun ihrer "Kompositionen" sowie Aquarelle und Zeichnungen. Auch in Ausstellungen der Novembergruppe im Sommer 1919 und im Sommer 1920 war sie vertreten. 


Danach legte Rebay den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Förderung gegenstandsloser Kunst anderer Künstler. Neben Kandinsky, dessen Werke "Über das Geistige in der Kunst" und "Punkt, Linie zu Fläche" sie später in englischer Sprache übersetzte, hielt sie Bauer für den zweiten bedeutenden abstrakten Maler. 
Sie verstärkte ihre Anstrengungen, vor allem sein Werk zu fördern.

 

1920 gründeten Otto Nebel, Bauer und Rebay die Künstlergruppe "Die Krater, das Hochamt der Kunst", um sich verstärkt für eine gegenstandsfreien Kunst, die sie als die einzig gültige, absolute ansahen, einzusetzen.


In diesen nur wenige Jahre verfolgten, öffentlich kaum wirksamen Ideen der "Krater" wurzelten bereits erste Gedanken an ein Museum für abstrakte Kunst. 
Sie mündeten Jahre später, nachdem Rebay sich von Bauer getrennt hatte und in die USA übergesiedelt war, in der Galerie "Das Geistreich, Die Bautokratie", dem ersten "Museum" für abstrakte Kunst.


In diesem 1930 in Berlin-Charlottenburg eingerichteten Gebäude stellte er bis 1939 Werke Kandinskys zusammen mit eigenen und Werken Rebays aus. Das "Geistreich", dessen Exponate nahezu alle in die spätere Sammlung Solomon R. Guggenheims übergingen, war damit nicht nur ein Vorläufer des 1939 eröffneten "Museum of Non-objective paintings" in New York, mit dem Rebay für die abstrakte Kunst in den USA eintrat, sondern auch des von ihr mit Guggenheim vorbereiteten, von Frank Lloyd Wright entworfenen und 1959 eröffneten Solomon R. Guggenheim-Museums in New York.



Gegenständliche Collagen
Während Rebay in diesen letzten Jahren in Deutschland offenbar kaum mehr eigener abstrakter Malerei nachging, begann sie Mitte der 1920er Jahre unter dem Eindruck der Kunst der "Neuen Sachlichkeit" und dem Frauenbild in dieser Zeit großformatige Collagen mondäner Figuren in zeittypischen Interieurs und Kleidung zu bilden.


Aus feinen, schmalen Papierstreifen geschnitten, zeigen sie überlängte, in den Formen reduzierte, stilisierte Figuren von dekorativem, zugleich auch abgründig-karikierendem Charakter.


Nach ihrer Übersiedlung in die USA 1927 war die Gestaltung dieser figürlichen Collagen neben der Porträtmalerei ein wichtiges Arbeitsfeld, bis sie in Malerei, Graphik und Collagetechnik wieder zu abstrakter Bildsprache zurückfand.



Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Guggenheim-Museums, New York, wo die Ausstellung von Mai bis August 2005 gezeigt wird, des Schloßmuseum Murnau und des Museums Villa Stuck, München. 


In Murnau wird ab 8. September 2005 Rebays künstlerisches Schaffen in der Zeit in Deutschland, in der sie zu abstrakter Malerei und Collage fand, im Museum Villa Stuck ihre anschließende Zeit in den USA als Künstlerin und Museumsleiterin behandelt. Neben Werken Rebays sind in Murnau und München Werke ihrer Künstlerfreunde vertreten, die die engen persönlichen und künstlerischen Verknüpfungen mit Rebay zum Ausdruck bringen.

Es erscheint ein Katalog in Deutscher Sprache zu € 28,50. Die englische Fassung erschien im Guggenheim Museum New York.



Die Ausstellung in Murnau wurde ermöglicht durch großzügige finanzielle Unterstützung von:



Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, München 
Hilla von Rebay Foundation, New York

Deutsche Bank
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